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Mein Auto und ich … (Übung aus Raum zum Schreiben)

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Mein Auto und ich … (Übung aus Raum zum Schreiben)

….sind eine Symbiose aus bösem Gesicht und Forderung. Ha…ihr staunt? Ja Auto und ich bei einer Frau ist ja auch schon etwas merkwürdig. Normalerweise würden doch Männer über ihre Beziehung zu einem Auto schreiben. So bin ich…..eben andersartig! Wie ich damals – 2009 – überlegt habe, mir ein altes neues Auto zuzulegen landete ich in einem Verkaufsladen mit Stern. Das ist dem geschuldet, dass mein liebster Freund und damaliger Begleiter ein absoluter Fan davon war. Was Verarbeitung, Qualität und Zuverlässigkeit betrifft, gäbe es nicht besseres.

Ich glaube der Verkäufer hatte noch nie ein so lustiges Verkaufsgespräch. Ursprünglich wollte ich nur eine Aufstockung meines etwas langsam aus dem Quark kommenden Autos, was aber den Nachteil hatte, dass der angebotene Wagen – außer dem Fahrersitz – nicht alle Sitze entfernen konnte. Der alte konnte das. Das wäre schon nötig für die Apfelernte – ihr wundert euch sicher wieder – bei einer Stadt-Frau? Außerdem ist Transportieren bei meinem großen Garten noch zusätzlich ein Punkt, der erfüllt sein will. Denn für mich ist das Auto ein Gebrauchsgegenstand, meistens dreckig und unaufgeräumt. Für die Wartung habe ich zum Glück diesen treuen Freund. Da musste ich umdenken und sah Black Jack, so hatte ich ihn liebevoll genannt. Wesentlich geräumiger als der alte. Weiterhin fand ich die Musikanlage sehr gut und so saßen wir zum Test in diesem Auto und drehten voll auf. Als mich der Verkäufer fragte, wie schnell ich denn denke dass dieser von 0 auf 100 kommt, sagte ich ganz unverblümt – 6 Sekunden. Immerhin hatte der doch 136 PS…..was weiß ich als Mädchen schon davon. Das sorgt für ordentliche Lacher bei den Männern. (nein ich bin nicht blond)

Der Verkäufer schaute etwas merkwürdig als ich sagte, ich glaube mir gefällt das Gesicht, der guckt so böse, wie ich, wenn es nicht schnell genug weiter geht. Denn die Leute haben immer so viele Dinge zu tun, außer Auto zu fahren – ich berichtete schon mal hier. DAS REGT MICH VOLL AUF! Deshalb muss mein Auto böse schauen, damit die Platz machen :-). Frau Vera Birkenbihl nennt diese Menschen auch die „Reinschneider“ (bei 1 St und 7 Min.) und genau wie bei ihr läuft dann bei mir ein Programm ab, das nicht mehr zu stoppen ist. Und NEIN !… ich schaue mir beim Autofahren auch nicht zu.

So sagt mein Freund immer zu anderen Freunden: „Nehmt die Angela mit, dann braucht ihr einfach nicht selber schimpfen, die macht das gut.“ Meine Freundin würde jetzt sagen: „Wie peinsam.“ Ich glaube das Wort gibt es nur bei ihr oder in Hannover. Et es wie et es. Zwischenzeitlich bin ich ruhiger geworden und versuche es immer damit, dass der Mensch vor mir gar nichts dafür kann. Tja, klappt nicht, ich bin trotz dieser Übung nach zwei Minuten von 0 auf 500. Läuft!

Doch zurück zu meinem Auto. Wenn es – und das hatte es leider schon häufig in großem Ausmaße – wieder irgendwelche Macken zeigt, wo mir der Werkstatt-Verantwortliche schon mit der Bemerkung kommt „das hat diese Baureihe gerne“ sage ich zu ihm: „Wenn Du jetzt nicht aufhörst, verkaufe bzw. verschrotte ich dich oder trete dich in den A…..“ Hilft! Ich habe mich nach diesen vielen Jahren an Black Jack gewöhnt und er fährt sich auch gut, aber vielleicht bin ich ja doch im Grunde lieber die Fahrrad-Fahrerin.

Zum Glück bin ich relativ gelassen geworden und seit ich mein Sabbat-Jahr habe fahre ich eh meist Fahrrad, Bahn oder Flugzeug (ja ich weiß, die CO2-Sache). Wenn man Zeit hat ist alles gut….oder ich habe es inzwischen ein wenig gelernt!

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„Was für ein Typ“

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Louise Nevelson Ɨ 1988 studierte Malerei und Bildhauerei. Folgendes Zitat ist von ihr: „Ich glaube, wir wählen von beidem, dem, was wir von uns selbst begreifen, wie auch von dem, was wir um uns herum wahrnehmen. Unser Bewusstsein selektiert; es sucht sich aus, was uns besser gefällt.“

„ein Fremder betritt den Raum – was fällt Ihnen als erstes auf“…..das ist das Thema aus „Raum zum Schreiben“. Es geht darum, wen man oberflächlich oder besonders gut kennt und regelmäßig begegnet. Es ist für mich eine besondere Herausforderung, denn ich „kenne“ diesen Menschen nicht gut, aber begegne ihm regelmäßig. So ist eben hier die Frage, wie soll ich ihn beschreiben. Wenn wir nun die Aussage von Louise zugrunde legen, dass unser Bewusstsein selektiert und wir uns aussuchen, was uns besser gefällt, dann finde ich, ist dies ein spannendes Thema. Denn schreiben wir dann aus der Erinnerung der Empfindungen oder beflügelt uns die Phantasie? Was meint ihr? So schreibe ich einfach mal los:

Die Person, die mir begegnet kommt unverhofft und berührt mit Worten meine Seele. Wie ein schöner Stein, den ich beim Spazierengehen am Rhein finde. Er ist rund und hat viele Maserungen und Farben. Ich konzentriere mich mit meinem Gefühl auf diesen Menschen, den ich real kaum kenne. Regelmäßig bereiten mir die Worte viel Freude, vor allem die ernst gemeinten Komplimente.  Ich glaube ihn zu erfassen mit allen Windungen der Formen und doch überrascht er mich immer wieder neu. Dieser Stein kommt immer wieder ins Rollen wie der Fluss des Lebens und es ist schön, ihn anzusehen. Wenn dieser Stein spricht oder seine Melodie spielt, bin ich auf sensible Art mit ihm verbunden. Er ist nachdenklich und sehr naturverbunden und respektvoll gegenüber den Dingen. Was ich vermisse, ist das Blitzen in seinen Augen oder die Art wie er spricht. Denn genau dies kann ich nicht erfassen. Aber wer weiß, vielleicht werde ich auch eines Tages seine Stimme hören oder sehen wie er sich bewegt, wo er zu Hause ist. Auf jeden Fall ist es eine Begegnung, die ich nie vermissen möchte.

Aber was ist, wenn ich seine Eigenarten kennen lerne und diese Person gar nicht so entspricht, wie ich sie gefühlt habe? Die Musik in meinen Ohren dann nicht so klingt, wie die Lebensmelodie der Person spielt? Dann glaube ich, bin ich einfach in Liebe und ziehe mit dem Fluss des Lebens weiter!

 

 

 

 

Wettervorhersage

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Aus Raum zum Schreiben: menschliche Qualitäten auf unbelebte Dinge zu übertragen – heißt Anthropomorphismus…

Johann Wolgfang von Goethe sagte:

 „Wir werden geformt und gestaltet durch das, was wir lieben.“

Die Blume ist kopflos.
Der Stein zerbricht.
Der Baum tanzt.
Das Glas liebt.
Der Vogel ist verstummt.
Der Tsunami erstarrt.
Das Metall glüht.
Die Eintagsfliege ist glücklich.
Das Krokodil lächelt.

DSC_0291

Die Pflanze weint.
Der Lachaffe verzweifelt.
Die Kokosnuss schmilzt.
Das Bild ist sprachlos.

Die Säule fließt.

Der Geist ist sichtbar.

Das Haus lässt los.
Der Vulkan lacht.

Bin für Gegenvorschläge offen….

Meine schönste Jahreszeit

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Meine schönste Jahreszeit

Ich erinnere mich sofort an die erste Autofahrt in dieser Jahreszeit durch den Hunsrück auf der A61 in Richtung Heimat meiner Tante. Es ist schon sehr lange her. Die vielen bunten Nuancen der Bäume in den Wäldern haben mich so abgelenkt, dass mir die Fahrt gar nicht mehr so lange vorkam.

Der besondere Augenblick war die Bewegung und das Ineinanderfließen der Farben. Als hätten sie sich abgesprochen, unser Auge zu erfreuen. Es erfüllte mich mit einem sehr starken Glücksgefühl und kein Abschnitt glich dem Anderen. Mal waren es die Gelb-Braun-Töne und dann schlich sich einfach so das Feuerrot hinein, dazwischen immer wieder grün. Am liebsten wäre ich ausgestiegen, um den Duft und das Rauschen des Windes einzufangen. Ich habe mir als Kind immer vorgestellt, dass die Bäume mit mir sprechen und ihre Geschichte erzählen.

Noch heute habe ich eine besondere Verbindung zu Bäumen, besonders in der Herbstzeit. Sie bereiten sich auf den Winter vor, indem sie alles abwerfen. Es ist wie los lassen. Das ganze Jahr über haben sie uns Schatten gegeben, Knospen, Früchte, ihre anmutige Blütenpracht oder für bessere Luft gesorgt. Die Energie der Bäume ist unfassbar. Im Winter bieten sie den Tieren Zuflucht und Unterschlupf an.

Am schönsten ist aber der Duft des Laubes – sofern man nicht allergisch ist. Im Wald schwebt uns der Duft eher sanft entgegen, feucht und vielseitig. Denn auch die Nadelbäume verstreuen ihren starken Duft. In der Stadt nehmen wir den Geruch vielleicht eher modrig und leicht schimmelig war, vermischt mit der Abgasluft.

Immer wenn ich kann, schlurfe ich durch das herunter gefallene Laub und wirbele es auf. Nur so kann man die ganze Schönheit erfassen, mit dem Tast-, Geruch- und Hör-Sinn. Das mit dem Schmecken sollten wir dann wohl lieber sein lassen. Besonders schön ist das rascheln und knacken, wenn die Blätter vom Morgenfrost befallen sind.

Für Alle, die sich nicht mehr an so ein Gefühl erinnern können, schaffen es vielleicht jetzt wieder.

Ich freue mich schon aufs nächste Jahr!

Raum zum Schreiben – Jahreszeiten

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Raum zum Schreiben – Jahreszeiten

Meine liebste Jahreszeit ist …… der Herbst!

Ich erinnere mich sofort an die erste Autofahrt in dieser Jahreszeit durch den Hunsrück auf der A61 in Richtung Heimat meiner Tante. Es ist schon sehr lange her. Die vielen bunten Nuancen der Bäume in den Wäldern haben mich so abgelenkt, dass mir die Fahrt gar nicht mehr so lange vorkam.

Der besondere Augenblick war die Bewegung und das Ineinanderfließen der Farben. Als hätten sie sich abgesprochen, unser Auge zu erfreuen. Es erfüllte mich mit einem sehr starken Glücksgefühl und kein Abschnitt glich dem Anderen. Mal waren es die Gelb-Braun-Töne und dann schlich sich einfach so das Feuerrot hinein, dazwischen immer wieder grün. Am liebsten wäre ich ausgestiegen, um den Duft und das Rauschen des Windes einzufangen. Ich habe mir als Kind immer vorgestellt, dass die Bäume mit mir sprechen und ihre Geschichte erzählen.

Noch heute habe ich eine besondere Verbindung zu Bäumen, besonders in der Herbstzeit. Sie bereiten sich auf den Winter vor, indem sie alles abwerfen. Es ist wie los lassen. Das ganze Jahr über haben sie uns Schatten gegeben, Knospen, Früchte, ihre anmutige Blütenpracht oder für bessere Luft gesorgt. Die Energie der Bäume ist unfassbar. Im Winter bieten sie den Tieren Zuflucht und Unterschlupf an.

Am schönsten ist aber der Duft des Laubes – sofern man nicht allergisch ist. Im Wald schwebt uns der Duft eher sanft entgegen, feucht und vielseitig. Denn auch die Nadelbäume verstreuen ihren starken Duft. In der Stadt nehmen wir den Geruch vielleicht eher modrig und leicht schimmelig war, vermischt mit der Abgasluft.

Immer wenn ich kann, schlurfe ich durch das herunter gefallene Laub und wirbele es auf. Nur so kann man die ganze Schönheit erfassen, mit dem Tast-, Geruch- und Hör-Sinn. Das mit dem Schmecken sollten wir dann wohl lieber sein lassen. Besonders schön ist das rascheln und knacken, wenn die Blätter vom Morgenfrost befallen sind.

Für Alle, die sich nicht mehr an so ein Gefühl erinnern können schaffen es vielleicht jetzt wieder.

Ade mein Herbst …. Ich freue mich schon aufs nächste Jahr!

Roh (Lektion: Raum zum Schreiben)

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Was fällt mir denn ein, wenn ich an das Wort roh denke? Ach, das rohe Ei, der rohe Schinken, das rohe Tartar… Der rohe Mensch oder ist es doch eher das Wort rau, welches dazu passt? Jetzt bin ich ein wenig verwirrt. Roh! Was bedeutet das? Bin ich roh, weil ich noch nicht gekocht wurde oder vielleicht weil ich nicht einfühlsam genug gegenüber meiner Mitmenschen bin? Interessante Frage, oder?

Wer bestimmt denn, was roh ist. Schmeckt die Austernmuschel denn besser, wenn sie gekocht ist oder doch roh? Auch das wird man nicht eindeutig beantworten können, denn die Geschmäcker sind verschieden und mit den Franzosen will ich mich schon gar nicht darüber streiten.

Ist der rohe Schinken tatsächlich rohes Fleisch oder warum heißt der so? Auch die offene Wunde hat rohes Fleisch was nicht bedeutet, dass wir es essen sollten. Wenn ich daran denke, möchte ich den rohen Schinken doch lieber nicht essen. Nun frage ich mich, wer hat die Bedeutung dieses Wortes „roh“ denn festgelegt. Was sagt denn Wikipedia dazu? Folgendes Zitat:

  • Rohkost, zum einen Lebensmittel, die ohne vorherige Hitzebehandlung wie Kochen, Braten oder Backen verzehrt werden, zum anderen auch Nahrung, die völlig unverarbeitet im Naturzustand gegessen wird
  • unzivilisiertes, grobes Verhalten

Oh, wenn ich mir den letzten Punkt ansehe, möchte ich lieber gar nicht weiter über dieses Wort nachdenken. Denn so wie die Menschen in dieser Welt miteinander umgehen, sollte man lieber darüber nachdenken, was das Wort gekocht bedeutet.

Ich erinnere mich…

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Ich erinnere mich…

An den Nachmittag in der Strandbude auf Walcheren. Das Meer schlug mit seiner tosenden Brandung und der salzigen Luft in Richtung meiner Sinne. Mein Platz auf der Terrasse lag so, dass ich das Gefühl hatte, das Meer schlägt in nächster Sekunde mit seiner Welle gegen die Plexiglasscheiben.

Das Meer war so laut, dass ich mein eigenes Rauschen nicht wahrnehmen konnte und all meine Sinne nur von der Schönheit der Natur erfüllt waren. Ich schmeckte das salzige Wasser, roch die intensive Luft und fühlte den starken böigen Wind in meinen Haaren und meiner Nase und genoss die Sonne auf meiner Haut.

Der Horizont verschmolz mit dem Meer und ich hatte das Gefühl, ein Teil der Naturgewalten zu sein. Getragen und geschmirgelt durch das Wirbeln der Wellen. Die Flut kam näher und irgendwann war die Zeit gekommen aufzubrechen.

Übung aus „Raum zum Schreiben“